Häufig kommen Ergänzungen im Satz in Form von Adverbien vor.
Sie erläutern das Prädikat (die Satzaussage) oder den ganzen Satz näher.
Man spricht dann von Satzattributen (Beifügungen im Satz).
Im ersten Beispielsatz ist rapide ein
Adverb, das eltrinkis näher erläutert.
Im zweiten Beispielsatz sind Hodiaŭ
(ohne Endung) und matene (mit der Endung
-e
für abgeleitete Adverbien) Satzattribute.
Subjekt- und Objektattribute
Seltener gibt es aber auch Attribute, die keine freien Satzattribute darstellen, sondern Subjekt oder Objekt näher erläutern (und daher grammatisch von ihnen abhängen). Sie bestehen aus einem Adjektiv oder aus einem Substantiv, in beiden Fällen evtl. durch weitere Wörter erweitert.
Regel: Solche Subjekt- oder Objektattribute stehen in der Grundform.
("Erschöpft" erläutert den Zustand von Heinz, nicht sein Kommen.)
(Der Kaffee ist schwarz, nicht das Trinken.)
Nicht immer lässt sich einwandfrei entscheiden,
ob ein Attribut das Prädikat oder
Subjekt bzw. Objekt näher erläutert.
In solchen Zweifelsfällen sind
sowohl die Adverb- als auch die Adjektivendung richtig.
(Man kann hier "fröhlich" als Erläuterung zu "Ich" sehen, aber auch als Erläuterung zu "trinke".)
Der Gebrauch des Bindestrichs ist im Esperanto nicht geregelt.
Er hat keinerlei inhaltliche Bedeutung, sondern dient letzten Endes dazu,
das Lesen zu erleichtern.
Dazu soll er die Wortstruktur bei Komposita
(aus mehreren Wortstämmen zusammengesetzte Wörter) sichtbar machen,
d.h. die Grenze zwischen zwei Wortstämmen anzeigen.
(Der Bindestrich dient nicht dazu, Endungen abzutrennen.)
Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen:
Beispiel: sentema
Bei der Aussprache von sent-ema kann der Bindestrich durch den im Deutschen gewohnten Knacklaut (Glottisschlag) wiedergegeben werden, aber das wird Muttersprachlern, die keinen Glottisschlag kennen, nur sehr schwer fallen.
Beispiele: for-iri, ĉi-okaze (nicht: ĉio-kaze) usw.
Das gilt nicht, wenn der folgende Wortstamm ein Suffix (Wortbildungselement)
ist, da diese ja (fast) alle mit einem Vokal beginnen.
Also nicht
patr-ino, bon-ulo, usw.
Treffen an der Grenze zwischen den Wortstämmen zwei Vokale aufeinander, so kann der Bindestrich gesetzt werden (und das auch vor Suffixen), um zu vermeiden, dass der Leser fälschlicherweise einen Doppellaut (Diphthong) liest.
Beispiele: fe-ino, pra-ulo gegenüber Rejno, fraŭlo
Beispiel: poŝ-tranĉilo 'Taschenmesser', um die falsche Lesart poŝt-ranĉilo zu vermeiden.
Ähnlich wie bei den Satzzeichen (Interpunktion) bleibt es aber dem Schreibenden überlassen, wie er den Gebrauch des Bindestrichs handhabt, um das Lesen zu erleichtern. Ein Regelwerk würde hier die Rechtschreibung unnötig erschweren.
In diesem Lehrwerk wird der Bindestrich auch zuweilen bei der ersten Verwendung neuer zusammengesetzter Wörter verwendet, um ihre Struktur zu verdeutlichen und damit ihr Verständnis zu erleichtern.